Alodo – Eine Chance für die Kinder in Benin e.V.

Weihnachtsbrief 2023

es ist zu viel … dachte ich oft in den letzten Wochen und Monaten.
Es ist zu viel der Ängste, Sorgen und Nöte angesichts des Kriegs in der Ukraine,
es ist zu viel des Schreckens angesichts der Situation im Nahen Osten,
es ist zu viel der Armut und Perspektivlosigkeit der uns Anvertrauten in Benin.

Noch nie in den jetzt 23 Jahren seit der Gründung von ALODO wurden wir mit so viel Elend und Not konfrontiert wie in diesem, bald hinter uns liegenden Jahr.

Die Inflation hat auch Benin erreicht und die Lebensmittelpreise haben sich fast verdoppelt, der Benzinpreis stieg um ca. 150 %. Entsprechend erhöhten sich auch unsere Ausgaben für die
Lebensmittelunterstützung, die wir den Ärmsten monatlich gewähren, die Kosten für Medika - mente und die Versorgung der vielen unter- und mangelernährten Kinder und Säuglinge.

Allein in diesem Jahr wurden 68 extrem schwache Babys zu uns gebracht, die wir mit Aufbaunahrung und Trockenmilch versorgten und ihnen dadurch den Start ins Leben ermöglichen konnten. Meistens sind die Mütter selbst unterernährt und nicht in der Lage ihre Kinder zu stillen. Zwei Babys wurden am Straßenrand ausgesetzt und haben inzwischen in Pflegefamilien eine liebevolle Bleibe gefunden. Wir sind sehr froh, dass alle uns anvertrauten Kinder überlebt haben.

ln besonderer Weise wurden wir mit dem Hexenglauben, der in den ländlichen Bereichen Benins immer noch präsent ist, konfrontiert. Es trifft alle Teile der Bevölkerung, Frauen, Männer, alte, meist allein lebende Menschen, sowie besonders Kinder. Sie sind den Anschuldigungen, eine Hexe oder ein Hexer zu sein, hilflos ausgesetzt, werden ausgeschlossen und fliehen in weit entfernt liegende Gegenden. Der Hexerei beschuldigte Kinder werden von ihren Familien verstoßen und fristen meist als Straßenkinder ein erbarmungswürdiges Dasein. Der Staat Benin hat den Hexenglauben verboten, jedoch sitzt die Angst tief in den Menschen, so dass es eines
langen Aufklärungsprozesses bedarf.

Geraldine und Denise, zwei junge Mädchen, die unter Hexenverfolgung litten, wurden vor einigen Wochen in unserer Ausbildungsschneiderei aufgenommen und leben jetzt im geschützten Raum unseres Internats. Für Dossou, Louis und Renald konnten wir Ausbildungsplätze finden. Sie wohnen in den Familien ihrer jeweiligen Lehrherren und werden dort auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet. Die Lebenshaltungs- und Ausbildungskosten trägt ALODO. Auch stehen wir in ständigem Austausch mit den Pflegefamilien. Wie gern möchte ich Sie am Strahlen der jungen Menschen teilhaben lassen, die endlich in Sicherheit sind und deren Leistung anerkannt und respektiert wird.

Mit dem Foto der glücklichen Yvette danke ich Ihnen für Ihre Unterstützung und den Mut, den Sie uns durch Ihr Mitgehen auf unserem Weg schenken.

Im März wurde unser Team der häuslichen Krankenpflege auf das Schicksal von Yvette aufmerksam: Yvette, Mutter von 4 kleinen Kindern, litt unter einem Tumor im Bauchraum, der unglaubliche Ausmaße angenommen hatte. Das Laufen war ihr dadurch fast unmöglich und sie konnte ihre Tätigkeit als Bananenverkäuferin nicht mehr ausüben. Yvette war nicht mehr in der Lage, ihre Kinder und ihre kranke Mutter zu versorgen, Hunger und Hoffnungslosigkeit prägten das Leben der Familie. Nach langem Suchen erklärten sich endlich die Ärzte im Militärkrankenhaus von Cotonou bereit, die Operation durchzuführen. Am 12. Mai entfernten sie in einer mehrstündigen Operation den Tumor (21 kg!) und für Yvette begann ein neues Leben. Die Operation und Nachsorge waren sehr teuer; woher sollen die Armen das Geld für eine Krankenversicherung nehmen? Also werden notwendige Eingriffe verschoben oder man versucht, das Geld zu leihen, was fast unmöglich ist. ln diesem Fall haben wir die Kosten zu 100 % übernommen, da Yvette in extremer Armut lebte.

Inzwischen ist Yvette wieder ganz gesund, kann ihre Familie versorgen und besuchte uns vor einigen Wochen, um sich noch einmal bei uns und allen Spendern zu bedanken.

 

 

 

Ich wünsche Ihnen eine gnadenvolle Advents- und Weihnachtszeit und alles Gute für 2024.

In herzlicher Verbundenheit
Ihre
Brigitte Schmöle
1. Vors

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